Quelle: Bote von Wilisch Juli 2006 Nr.225
Leute, die meinen, auf dem Dorfe sei nichts los, irren sich. Den Beweis gab es während der Tage von Kunst: Offen in Sachsen zu Pfingsten, an denen in der Kunstscheune Orth in Quohren die Werke des Malers Uli Eisenfeld und seiner Frau betrachtet und bewundert werden konnten.
Frau Eisenfeld stellte von ihr geschaffenen Schmuck, Gürtel, Tücher usw. aus, die man auch käuflich erwerben konnte. Uli Eisenfeld zeigte eine Auswahl seiner Bilder, Zeichnungen und Gemälde. Für den einen oder anderen Quohrener und Bewohner der Umgebung hatten diese Werke persönlichen Bezug, denn Wilisch, Kipse und andere Landschaften unserer Gegend inspirieren Uli Eisenfeld zu sehr schönen Bildern.
Im Wilischboten 09/04 und 09/05 hat Ihnen H. H. den Künstler zweimal vorgestellt. Erinnern Sie sich? Uli Eisenfeld hatte schon einmal ein Atelier in unserem Kreischa - von 1971 - 1981 am Anfang der Lungkwitzer Straße bei Wenglers (vorher Klempnerei Richter). Nun hat es ihn wieder in unser schönes Tal verschlagen. Jetzt wohnt und arbeitet er in Quohren - dort, wo er ausgestellt hat. Er hat die Motive, die ihn ansprechen, also direkt vor der Haustür.
Die Tage von Kunst: Offen wurden auch genutzt, um eine Buchlesung mit Thomas Rosenlöcher und ein sehr gutes Konzert in der Kunstscheune stattfinden zu lassen - und das alles in einem so kleinen Ort wie Quohren. Fantastisch! Ein Ereignis anderer Art, was dennoch sehr viel mit Kunst zu tun hat, fand am Pfingstmontag sozusagen "am Rande", nämlich im Garten besagten Grundstücks statt: die Einweihung einer Betsäule während eines ökumenischen Gottesdienstes, umrahmt vom Gesang des Kirchenchores und zweier Bläser aus Quohren. Herr Zimstein hatte den "Kopf" der Säule "gefunden" und Herr Pechmann hat sie wieder "aufgearbeitet" und mit der Unterstützung von Herrn Trux an besagter Stelle aufgestellt.
Das Sandstein-Relief, welches Herr Pechmann in den "Rahmen" dieser alten Säule eingearbeitet hat, zeigt die Samariterin mit Jesus am Jakobsbrunnen. Diese Inhalte waren auch die der Reden, welche zur Einweihung der Säule gehalten wurden. Herr Pechmann legte seine Gedanken, die ihm bei der Schaffung des Reliefs wichtig waren, dar. Die Bedeutung des Wassers hatte einen zentralen Platz. Wasser, Brunnen, Quellen - Quohren, der ein Ort der Quellen ist, 13/14 davon gibt es in seiner Umgebung, und das Wasser von vier Quellen stand in Schalen um die Betsäule herum. Leben wird durch dieses Element gespendet, Lebensfreude, Natur und Aufbruch symbolisiert. Im Relief selbst sind noch andere Symbole für diese Gedanken zu finden: die Sonne, der Mond, der Baum... und der Brunnen. Die Säule zeigt eine Art Zopf der irischen Tradition, die durch das Darüber und das Darunter den Wechsel von Licht und Schatten symbolisiert.
Das alles zusammen ist eng verbunden mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, danach, was in diesem wichtig ist. Auch in den Predigten des katholischen und des evangelischen Pfarrers sowie in der entsprechenden dargestellten Bibelszene spielten diese Gedanken eine Rolle. Schließlich wurde die Säule von dem katholischen Pfarrer geweiht - auf dass die Menschen, die an ihr vorbeikommen, innehalten - wenig- stens in Gedanken - und sich vielleicht oben erwähnte Fragen nach den Wichtigkeiten des Lebens stellen. Denn Betsäulen hatten in alten Zeiten unter anderem auch die Bedeutung von Opfersäulen oder Kruzifixen zur Verrichtung von Andachten, zur Erinnerung an die Sühne, zur Erinnerung an einen plötzlichen Tod oder eine unerwartete Genesung. Auch ich wurde nachdenklich.
G. Muntau