Quelle: Bote von Wilisch November 2005 Nr.216

Die Anzeige im September-Boten über eine Ausstellung "Blütenzauber" der Malerin Felizitas Horter erregte Aufmerksamkeit. Frau Horter? Ihr Mann und Sie hatten doch vor Jahren ein Fahrradgeschäft in Kreischa. Diese Frau ist Malerin? Kann sie malen aufgrund ihres Gesundheitszustandes? Sie kann!
Zur Eröffnung dieser faszinierenden kleinen Ausstellung kamen viele Interessierte: Quohrener und Anrainer, Laien und Fachleute, die Verwandten und die Presse. In zwei Räumen waren ihre Bilder aufgereiht, die vor allem in den letzten drei Jahren entstanden sind. Vorwiegend Aquarelle. Lieblingsmotive der Malerin sind Blumen und Landschaften.
Frau Horter, die seit Jahren an der Parkinsonschen Krankheit leidet, erzählte, dass sie ihr Talent vom Vater geerbt hat. Bereits in der Schule erhielt sie für ihre Zeichnungen sehr gute Noten, was eine Erinnerungsmappe mit Schulzeichnungen beweist. In den Jahren, als ihr Mann und sie das Geschäft führten und es auf dem elterlichen Bauernhof genügend Arbeit gab, hatte sie keine Zeit zum Malen. Das Talent schlummerte in ihr. Als sie vor Jahren sich einer Handoperation unterziehen musste, riet ihr die Ärztin, dass sie die Geschicklichkeit ihrer Finger ausprobieren solle. So kam sie wieder zum Malen.
Das Erstaunlichste aber ist, dass sie beim Malen völlig ruhig wird, je filigraner das Motiv, desto ruhiger die Hand. Die 81jährige malt zur Entspannung. Hat sie etwas besonders aufgeregt, dann nimmt sie den Pinsel in die Hand. Das baut sie wieder auf - sagt sie. Sie macht oft Skizzen in der freien Natur von Blumen und Gräsern und vollendet dann zu Hause die Bilder. Aber auch die Landschaft um ihr heimatliches Quohren oder beeindruckende bauliche Details - wie besonders schön gestaltete Häuser- fassaden, Haustüren u. ä. bannt sie auf den Zeichenkarton. Auch ein gestickter Wandbehang - Motiv der heimatliche Bauernhof - fasziniert, weil auf kleinste Details Wert gelegt wird.
Auf die Idee, eine Ausstellung zu gestalten, kam sie infolge einer anderen Bilderausstellung im Ort vor einiger Zeit. Begeistert von ihrer Idee unterstützten sie ihr Nachbar, der Fotograf, Herr Lange sowie ihr Sohn Norbert und ihre Verwandten bei der Vorbereitung. Zwei Zimmer im Erdgeschoss ihres Hauses wurden in Ausstellungsräume verwandelt. Der Zuspruch war letztlich so groß, dass die Ausstellung, die ursprünglich auf ein Wochenende begrenzt war, auf eine ganze Woche erweitert wurde. Nun ist wieder Ruhe auf dem beschaulichen Bauernhof eingekehrt. Frau Horter ist zufrieden mit dem Erfolg ihrer Ausstellung. In ihrer Bescheidenheit freut sie sich, dass in diesen Tagen auch viel von ihrem Mann gesprochen wurde, der als Geschäftsmann oft Helfer in der Not war, wenn Fahrrad oder Moped nicht wollten und repariert werden mussten.
Mich hat vor allem beeindruckt, dass ein Talent oder besser gesagt ein Hobby jahrzehntelang zurückgedrängt wurde, weil anderes wichtig war und erst im Alter der zutage tritt und gepflegt wird.
H. Oertel