Quelle: Bote von Wilisch April 2004 Nr.194

Cotta-Schacht - Der Anschläger Ulli B. beim Fördern des Mülls von 1910 bis 1930
Man sprach davon, dass an der Gabelung zwischen Kleincarsdorfund Quohren auf der Feldspitze an der nach Kreischa führenden Straße - Abzweig Straße nach Quohren - Bushaltestelle, irgendwann einmal ein Schacht abgeteuft worden sein soll. Keine der sonst um einen Schacht üblichen Abraumhalden untermauerte die Tatache. Eine Senkungsstelle am Ort diente Kindern auf ihrem Schulweg vor Jahren als Spielplatz und manchem Kleincarsdorfer und Quohrener Häusler über Jahrzehnte als willkommene Aschengrube. Ergiebige Regenfälle im Jahr 2002 waren vielleicht derAnlass, dass wieder Senkungserscheinungen auftraten und die Bergsicherung Freiberg auf die Unregelmäßigkeit in der Landschaft reagierte.
Der alte Cotta-Schacht wurde unter Aufsicht des Steigers Ingolf Bergmann erneut abgeteuft. Wie vor 150 Jahren wurden mit Kübel, Dreibock und Winde die aufgefüllten Massen wieder ans Tageslicht befördert, natürlich nicht mit Handbetrieb, sondern weitgehend mit elektrischer und pneumatischer Unterstützung. Dem alten Schachtprofil von 2x4 Metern folgend, arbeiteten sich fleißige Bergleute der Bergsicherung Freital durch verrottete Müllschichten in vergangene Müllepochen.
1858 war der Schacht, glaubt man einer ausführlichen überlieferten Schönschreibevorlage in exaktem Sütterlin (Deutscher Schrift) aus Quohren, abgeteuft worden, 160 Ellen tief, was 90 Meter entsprechen könnte. Ein tragischer Unfall des Bohrsetzers Benke aus Potschappel und ein abgebrochener Bohrer "durch ruchlose Hand" brachte das Unternehmen ins Stocken, und als schließlich noch das Geld vom Dresdner Unternehmer Klingsohr ausgeht, wird der Schacht wieder zugeschüttet. Genaueres über die Vorgänge des Zuschüttens ist auch der Bergsicherung nicht bekannt.
Nehmen wir an, daß beim Verfüllen nicht so exakt wie heute üblich gearbeitet wurde. Jedenfalls rutschten die verfüllten Massen ständig nach und wurden kontinuierlich aufgefüllt. Genau diese aufgefüllten Massen ließen sich jetzt zeitlich rückverfolgen. Nach vier, fünf Metern kam die "Schicht 1945" mit Kriegsmüll. Flaschen, Eimer, Keramik, Blech und Steinmüllreste durchsetzten die Schichten bis 14 oder 16 Meter Tiefe. Schließlich stieß man auf Verfüllmassen des ehemaligen Aushubes. Bei 20 Meter Tiefe wurden Balkenteile des alten Schachtausbaues gefunden. Tondurchsetzte zähe Massen mit Steinquadern, Rotlack und Wassereinbrüche erschwerten die Teufe. Sicherheit geben Stahlgeflechtmatten, mit zahlreichen Bohrankern metertief in den Seitenwänden verschraubt und anschließend mit Spritzbeton zum festen Schacht verbunden.
Ende März 2004 wird in 25 Meter Tiefe der Schacht verwahrt, das heißt, er wird mit einem bestimmten Profil erweitert und mit einem Betonpfropfen versehen. Der darüber liegende Schacht wird dann mit Beton verfüllt oder verpresst und so sicher für alle Zeit geschlossen. Es gibt bestimmt noch manch interessante Einzelheiten über diesen Schacht, die besonders älteren Bürgern der Umgebung bekannt sind. Mein Interesse dafür besteht. Lassen Sie es mich wissen.
Hermann Lucas, Kreischa, Oberer Dorfplatz, lFür weitere umfangreiche Zuarbeit danke ich Herrn Dr. Wilfried Schneider. Er belegte mir, dass der kleine Berg, auf dem Fuchsens Linde steht, ein natürlicher Bergsporn und keine Abraumhalde ist, wie ich vor einigen Jahren in einer Abhandlung über den Bergbau im Possendorfer Raum gelesen hatte.
Text H.H. - Ortschronistin Gemeinde Kreischa